Die Kühltürme der ehemaligen Textilfabriken in Enschede.

Der Kühlturm der Firma Van Heek & Co, gelegen zwischen der Molenstraat und dem Parallelweg. (Fotograf unbekannt)

Vielen (ehemaligen) Einwohnern Enschedes sind die Kühltürme der Firma Van Heek & Co bis heute ein Begriff. Es handelte sich um imposante Holzkonstruktionen, die in regelmäßigen Abständen Wasserdampf emittierten, während das herabfallende Wasser eine eindringliche Geräuschkulisse erzeugte.
Wie funktionierte der ehemalige Kühlturm von Van Heek & Co?
Das Bauwerk besteht aus einem Holzturm, der auf einem steinernen Fundament ruht, welches zugleich als Auffangbecken für das abgekühlte Wasser dient. Das Kondenswasser wird mittels einer Dampfpumpe in der Textilfabrik an den Kremersmaten über eine Rohrleitung zum Kühlturm geleitet und anschließend in ein Reservoir auf einer Höhe von 6 Metern gefördert.
Aus diesem Reservoir fällt das Wasser herab, wobei der freie Fall kontinuierlich durch eine Reihe von Holzlamellen unterbrochen wird, die in Fallrichtung des Wassers angeordnet sind. Da die Temperatur des herabfallenden Wassers höher ist als die der Umgebungsluft, erwärmt sich letztere bei anhaltendem Kontakt mit dem Kondenswasser. Infolgedessen steigt die Luft auf und es entsteht ein Kamineffekt, durch den kühle Frischluft in den Kühlturm nachströmt, was den Abkühlungsprozess des Warmwassers beschleunigt. Das Wasser fließt über einen geneigten Boden in das Auffangbecken und gelangt von dort in das externe Wasserreservoir.
Die Konstruktionszeichnung links veranschaulicht das Funktionsprinzip des Kühlturms.
Das Kondenswasser wird mittels einer Dampfpumpe von der Fabrik aus auf eine Höhe von 6 Metern in den Kühlturm befördert. Aus einem Reservoir wird das warme Wasser über Holzlamellen geleitet, wodurch die Abkühlung erfolgt.
Schließlich gelangt das Wasser in das Reservoir im Erdgeschoss des Kühlturms. Durch die Abkühlung des Wassers entsteht Wasserdampf, der über die Turmspitze abgeführt wird.
Die Gesamthöhe des Kühlturms betrug 20 Meter, die Breite 12 Meter.

 

 

 

Die genehmigte Konstruktionszeichnung aus dem Jahr 1875, unterzeichnet von Bürgermeister Edo Bergsma.

Die Firma Van Heek & Co beantragte 1901 erstmals eine Baugenehmigung für die Errichtung eines Kühlturms an der Lage Bothofstraat. Anlass hierfür war die Erweiterung der Textilfabrik um eine dampfbetriebene Spinnerei und Weberei, die den Betrieb eines Kühlturms erforderlich machte. Gemäß der von der Gemeinde erteilten Genehmigung musste die Gesamtanlage „Artikel 6 des Sicherheitsgesetzes“ entsprechen. Einspruchsverfahren waren seinerzeit noch nicht vorgesehen; die erteilte Genehmigung legte jedoch fest, dass „der erweiterte Teil der Anlage vor dem 1. Februar 1902 fertiggestellt und in Betrieb genommen sein muss“. Die Genehmigung wurde vom Bürgermeister (Edo Bergsma) und den Beigeordneten unterzeichnet.
Ausschnitt der Originalgenehmigung zur Errichtung eines Kühlturms an der Lage Bothofstraat, versehen mit einem Lacksiegel und der Unterschrift des damaligen Bürgermeisters Edo Bergsma.

Die von der Gemeinde Enschede erteilte Genehmigung für den Bau und die Inbetriebnahme des Kühlturms an der Molenstraat vom 4. November 1875, bestimmt für die Weberei und Spinnerei der Firma Van Heek & Co am Parallelweg.

Das beschriebene Funktionsprinzip des Kühlturms.

Zu jener Zeit befand sich in Enschede mindestens ein weiterer Kühlturmtyp in Betrieb, der sich durch eine sich nach oben verjüngende Bauform auszeichnete. Ein solcher Kühlturm befand sich am Wooldriksweg und gehörte zur Textilfabrik von Scholten & Co an der Haaksbergerstraat. Foto oben: Datum und Fotograf unbekannt.

Kühlturm von Van Heek & Co (Datum und Fotograf unbekannt)

Der Abriss der Kühltürme stellte ein beträchtliches Unterfangen dar.

Nachdem die Tragkonstruktion des Turms geschwächt worden war, wurde der Kühlturm mithilfe von Seilzügen umgerissen.

Schließlich gibt die Konstruktion des Kühlturms nach und ein Zeugnis der Industriegeschichte endet. Die Fotografien des Abrisses wurden durch den Fotoclub Enschede angefertigt. Herr Heinz Heurman entwickelte die Aufnahmen.